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Gästeführer machen wechselvolle Stadtgeschichte erlebbar

Die Strobelallee ist geprägt durch die knapp 200 Linden entlang des Straßenrandes. Spaziergänger haben bis heute vor dort aus einen herrlichen Blick in die Natur. (Foto: Sammlung / Stadtarchiv)

Die wechselvolle Geschichte von Pirmasens bewegt Touristen wie Bewohner der Siebenhügelstadt gleichermaßen. Im vergangenen Jahr haben 305 Interessierte an den offenen Gästeführungen teilgenommen.

 

Vor diesem Hintergrund hat Stadtarchivarin Heike Wittmer zusammen mit ihren Mitarbeitern Norman Salzmann und Peter Felber in enger Abstimmung mit den 16 Gästeführern auch für 2023 wieder ein abwechslungsreiches Programm konzeptioniert. Zwischen Februar und November werden elf Termine zu unterschiedlichen Themenkomplexen angeboten, darunter zahlreiche Premieren.

 

Zum Auftakt heißt es am 4. Februar „Vor den Toren der Stadt“.

Per Omnibus geht es für die Teilnehmer auf die Ruhbank und in die beiden Ortsbezirke Erlenbrunn und Niedersimten. Noch zur Landgrafenzeit endete die Stadtgrenze am Zweibrücker- bzw. Buchsweiler Tor. Heutige Stadtteile, darunter die Ruhbank, entstanden wesentlich später. Deren Ansiedlung gehörte ursprünglich zu Lemberg und wurde erst 1956 eingemeindet.

 

Im Jahr 1979 folgten die heutigen Ortsbezirke Erlenbrunn und Niedersimten, deren Siedlungsgebiet bereits von den Kelten beansprucht wurde, wie sich an den Grabhügeln bei Erlenbrunn oder aus dem Namen Simten ableiten lässt. Er geht auf die keltische Bezeichnung „Sympeton“ zurück, was so viel wie „Schöpfstelle“ heißt. Viele interessante Details vom Ursprung bis zur Entwicklung in heutiger Zeit erwartet die Gäste der Bustour.

 

Bei der Bustour „Vor den Toren der Stadt“ geht es am 4. Februar in die Ortsbezirke Erlenbrunn und Niedersimten sowie auf die Ruhbank,

die auf der historischen Aufnahme zu erkennen ist. (Foto: Sammlung / Stadtarchiv)


Schöne Aussichten verspricht die Stadtführung „Belle Vue“ am 4. März.

Gabriele Großlaub und Ingrid Huber nehmen die Teilnehmer mit auf eine spannende Entdeckungstour. Die Siebenhügelstadt, mit dem Horeb als höchster Erhebung, hat manche Ausblicke zu bieten. Dafür muss noch nicht einmal eine der zahlreichen Treppen erklommen werden. Wer etwa vom Alten Friedhof aus in Richtung Buchsweiler Straße geht, hat ebenso weitreichende Aussichten. Auf dem Spaziergang im östlichen Teil der Stadt reicht der Blick bis zum Wasserturm am Sommerwald und weit in den Wasgau hinein. Neben den Aussichtspunkten stehen auch Stationen mit Aspekten der (Stadt-) Gründerzeit auf dem Programm.

 

 

„Mit Volldampf voraus!“ heißt es am 1. April.

Gästeführer Herbert Pfeffer begleitet die Teilnehmer auf eine Reise durch die bewegte Geschichte des Pirmasenser Hauptbahnhofs. Sie nimmt in der späten Gründerzeit ihren Lauf, als durch die steigende Zahl von Reisenden und Pendlern auch ein entsprechend großes und repräsentatives Bahnhofsgebäude errichtet wurde. Der Vorgängerbau war um einiges kleiner und den Bedürfnisse einer aufstrebenden Industriestadt nicht gerecht.

 

Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde vor 70 Jahren das inzwischen dritte Bahnhofsgebäude in Betrieb genommen. Damals gab es noch einen Schalter, an dem Reisende Auskünfte erhielten und Zug-Billette kaufen konnten. Nicht zu vergessen, der „Lecheles-Petzer“ für die Fahrscheine, die Expressgut-Abfertigung und die angeschlossene Wirtschaft mit Kiosk. In der modernen Zeit angekommen, hat die Stadt Pirmasens das Gebäude gekauft, aufwendig renoviert und das Umfeld attraktiv gestaltet. Heute haben dort verschiedene Vereine eine neue Heimat gefunden. Eine Boulangerie und die Sportsbar tragen ebenfalls dazu bei, dass der Hauptbahnhof wieder zu einer glänzende Visitenkarte für Pirmasens-Besucher und Pendler geworden ist. Herbert Pfeffer berichtet den Teilnehmern über die Infrastruktureinrichtung, die eng mit der Entwicklung der Bahntrasse zur Biebermühle verbunden ist.

Nicht nur Frankfurt und München haben einen sogenannten Kopfbahnhof. Die Pirmasenser Eisenbahn-Geschichte steht

bei der Führung „Mit Volldampf voraus!“ im Mittelpunkt. (Foto: Sammlung / Stadtarchiv)


Am 6. Mai rückt die Husterhöhe in den Mittelpunkt der offenen Gästeführung.

Auf dem Areal der ehemaligen US-Kaserne sind heute mehr als 100 Firmen angesiedelt, die rund 2.500 Menschen beschäftigen. Unter dem Titel „Husterhöhe, einst und jetzt“ nimmt die städtische Gästeführerin Christel Glaser die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise, deren Bogen sich vom Bau der Kasernenanlage in den 1930er Jahren über die Zeit der US-Streitkräfte und die anschließende Konversion bis hin zu den neueren wirtschaftlichen und baulichen Entwicklungen spannt. Zu den Stationen gehören an diesem Nachmittag die Hochschule, das Prüf- und Forschungsinstitut (PFI) sowie das Schuhkompetenz-Zentrum (ISC). Längst ist die Husterhöhe auch sportlich ein Begriff, schließlich hat im dortigen Sportpark mit dem Framas-Stadion als Aushängeschild auch „die Klub“, der FK Pirmasens, eine Heimat gefunden.

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„Flüchten zwecklos“ heißt es am 3. Juni, wenn die Geschichte der ehemalige Stadtmauer beleuchtet wird, übrigens vom Nachwuchs-Team der Gästeführer.

1762 innerhalb von nur fünf Monaten erbaut, sollte die fast 3 000 Meter lange und vier Meter hohe Mauer das vermehrte Desertieren der Pirmasenser Soldaten verhindern. Zwar galt Stadtgründer Ludwig IX. als „Soldatenvater“, der vor allem seinen „langen Kerls“ viele Privilegien zusicherte, doch waren auch viele zwangsrekrutiert und wollten wieder zurück in ihre Heimat. Das charakteristische Oval des ehemaligen Bauwerks ist noch heute aus dem Stadtbild zu erkennen. Nur zwei Stadttore gewährten Ein- und Auslass: das Buchsweiler Tor zur einen Seite und das Zweibrücker Tor zur anderen. Ausgehend vom Dr.-Robert-Schelp-Platz erkunden die Teilnehmer auf einer knapp zwei Kilometer langen Tour den Verlauf der Befestigungsanlage bis zur Bogenstraße und erfahren Wissenswertes zur Entwicklung vom Dorf zur Stadt. Der Rundgang klingt im historischen Häusel am Blocksberg bei Kaffee und Kuchen aus. Dort erhalten Interessierte Einblicke in die Lebensverhältnisse um 1900.

„Flüchten zwecklos“ – Die Stadtmauer von Pirmasens.

Das Aquarell von Ernst Martin zeigt das einstige Zweibrücker Tor.

(Foto: Sammlung / Stadtarchiv)

 


Im Juli erzählt Helga Knerr „Pirmasenser Platzgeschichte(n)“.

 

An kaum einem anderen Ort wird die Geschichte der Siebenhügelstadt sichtbarer als an den zahlreichen Plätzen - sowohl was die historischen Ereignisse angeht, als auch was die baulichen Veränderungen betrifft.

 

Helga Knerr nimmt die Teilnehmer mit auf einen gut zweistündigen Spaziergang, der vom Schloßplatz über den Exe zum Dr.-Robert-Schelp-Platz und weiter zum Joseph-Krekeler-Platz bis zur Esplanade vor dem Hauptbahnhof führt. Damit spannt sich der Bogen von den Anfängen der einstigen Garnisonsstadt bis hinein in die Gegenwart. Die Geschichte der Plätze erzählt die Geschichte von Pirmasenser und seiner Bewohner.

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Die offene Gästeführung am 5. August ist dem größten Stadtquartier gewidmet.

„Geschichte und Geschichten rund um das Winzler Viertel“ erzählt Dr. Wolfgang Brendel. Ausgehend vom Walter-Slodki-Platz am Winzler Tor erkunden die Teilnehmer den südlichen Teil des traditionsreichen Arbeiterquartiers. Über die Mozartstraße, die einst von Adjunkt Albert Zoller nach dem Komponisten benannt wurde, erfahren die Teilnehmer in der Wittelsbacherstraße die Entstehungsgeschichte in der Frühzeit. Nach einem Zwischenstopp in der Rupprecht-, Maximilian- und Arnulfstraße, die nach Mitgliedern Bayerischer Königsfamilien benannt sind, geht es weiter zur Pauluskirche. Erinnert wird auch an die zahlreichen Schuhfabriken wie Rampendahl, Gautsche, Gruber, Schieler, Klesmann und Delta. Aber nicht nur die Vergangenheit, auch der Blick in Gegenwart und Zukunft nimmt breiten Raum ein. Die Führung endet am Diakoniezentrum im Herzen des Patio-Quartiers. Mit dieser generationenübergreifenden Wohnform hat das Winzler Viertel ein neues wegweisendes Kapitel aufgeschlagen.

 

Dem Winzler Viertel – hier eine Aufnahme der Wittelsbachschule – ist die offene Gästeführung im August gewidmet. (Foto: Sammlung / Stadtarchiv)


Kunst steht nicht nur im Museum – man findet sie auf Friedhöfen, an Straßenkreuzungen, in Parks und auf Plätzen, in Foyers und an Fassaden.

Am 2. September hat Gästeführer Lothar Leiner sprichwörtlich „Kunst im Blick“.

Das Thema Kunst im öffentlichen Raum hat in Pirmasens eine lange Tradition und genießt einen hohen Stellenwert. Die Teilnehmer sind bei einem Spaziergang eingeladen, einmal genauer hinzuschauen und erfahren Spannendes über die vielfältigen Objekte, die jedermann vor Ort erleben kann, darunter Plastiken, Wandmalereien, Skulpturen und Mosaike.

(Foto re.) Das landgräfliche Offizierskasino war einst in einem herrschaftlichen Haus in der Haupstraße untergebracht. Heute erinnert daran noch ein Dreiecksgiebel in der Fassade. Das Gebäude ist eine der Stationen auf der Tour „Kunst im Blick“. Foto: Quelle Stadtarchiv


Der Alte Friedhof ist die grüne Insel im Herzen von Pirmasens. Unter dem Titel „In Stein gemeißelt“ nimmt Moritz Weber am 7. Oktober die Teilnehmer mit auf einen Spaziergang durch den sechs Hektar großen Park. Ein historischer Baumbestand und handwerklich bedeutsame wie kunstvolle Grabmäler prägen – zusammen mit dem Carolinensaal – die Anlage. Neun moderne Sandsteinplastiken bilden einen Kontrapunkt zu den eindrucksvollen Steinmetzarbeiten der Vergangenheit. Neben dessen Entstehungsgeschichte stehen die Einteilung der Grabfelder, die späteren Erweiterungen sowie die besonderen Grabdenkmale im Mittelpunkt. Beim Rundgang durch die Parkanlage sind die Betrachter eingeladen, sich auch mit den Künstlern und deren Werken aus 200 Jahren Kunstgeschichte auseinanderzusetzen.

 

Info: Die offenen Gästeführungen finden jeden ersten Samstag zwischen Februar und November statt. Am 21. Oktober gibt es ein zusätzliches Angebot. Beginn aller Führungen ist jeweils um 14.30 Uhr. Die Touren dauern in der Regel rund 90 Minuten. Die Angebote „Flüchten zwecklos“ und „Pirmasenser Platzgeschichten“ sind mit zwei Stunden veranschlagt. Erwachsene zahlen für die Teilnahme pro Person fünf Euro; Kinder (bis 14 Jahre) sind frei. Abweichende Preise gelten bei der Bustour in die Ortsbezirke. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Weitere Auskünfte erteilt das Stadtarchiv unter der Telefonnummer 06331/842299, www.pirmasens.de/stadtarchiv

Weiter geht es am 21. Oktober mit „Schönen Monumenten und spannenden Geschichten“ auf dem Waldfriedhof.

 

In Stein gemeißelt zeugen zahlreiche Familiengräber von der industriellen Entwicklung der Siebenhügelstadt. Aber auch Künstler und Denker haben hier ihre letzte Ruhe gefunden.

 

Moritz Weber beleuchtet außerdem die Architektur der bedeutenden Kulturstätte, die Oberbaurat Adalbert Meyer erarbeitet hat. Ironie des Schicksals: Er war 1924 auch der erste Bürger, der auf dem Areal vor den Toren der Stadt bestattet wurde, nachdem er noch während der Planungsphase überraschend verstarb.

 

Ab 1927 war das Gelände zwischen Haseneck und Fumbach der alleinige Platz für Beerdigungen in Pirmasens. Mit seiner Fertigstellung wurde nicht nur ein Friedhof, sondern gleichzeitig auch ein einzigartiger Landschaftsgarten geschaffen, auf dem neben Erd- und Urnengräbern auch Baumbestattungen möglich sind.

 

 

Red. Stadtarchiv Pirmasens

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